Deocar - der dritte Stadtheilige Nürnbergs

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Der Ursprung Herriedens

Altmühl bei HerriedenBei Herrieden wird die Altmühl von einer Furt gequert, die sicher schon in vorgeschichtlicher Zeit von einer Altstraße benutzt wurde. Diese kam von Donauwörth und führte über die Furt nach Würzburg und weiter nach Fulda. Von der lokalen Geschichtsschreibung wird diese Straße mit dem Zug der Burgunder im Nibelungenlied in Verbindung gebracht. Eine weitere Altstraße, die "Salzstraße" oder "Weinstraße", die vom Kochertal in den mittelfränkischen Raum führte, kreuzt diese Straße bei Leutershausen.

Schließlich führte ein weniger bedeutender Weg, der uns heute aber noch beschäftigen wird, von Herrieden nach dem heutigen Ansbach. Außerdem waren Flüsse, auch so kleine wie die Altmühl, im Frühmittelalter wichtige Verkehrswege, man denke nur an den Kanalbau Karls des Großen in Graben bei Treuchtlingen.

Die Gründung des Klosters

Es lag also nahe, daß ein strategisch so bedeutender Punkt kontrolliert werden mußte. Die nördlich von Herrieden auf einem Hügel über der heutigen Stadt gelegene Martinskirche weist darauf hin, daß sich hier schon vor der Gründung des Klosters Herrieden ein fränkischer Königshof befand [Friedrich in: Herrieden 1982]. Erstmalig urkundlich überliefert ist das Kloster Hasareod, wie Herrieden damals hieß, im Jahre 797. Seine Gründung erfolgte wahrscheinlich in der 2. Hälfte des 8. Jh., als Gründer wird ein fränkischer Adeliger namens Cadolt überliefert [Bosl 1981].

Anders als der Ansbacher Klostergründer Gumbertus trat er jedoch nicht selbst in sein Kloster ein, sondern schenkte es bald dem Frankenkönig Karl dem Großen, der seinen Vertrauten Deocar als Abt einsetzte. Unter ihm folgte rasch eine Blütezeit: Bereits 791 erhielt das Kloster Besitz in Niederösterreich, und unter Karls Nachfolgern Ludwig dem Frommen und Ludwig dem Deutschen erhielt es zahlreiche Vergünstigungen und weitgestreuten Besitz bis hinauf nach Duisburg.

Karolingische HandschriftNeben seinem reichen Besitz war das Kloster auch bekannt wegen seiner Gelehrsamkeit. Im Pfarrarchiv Herrieden befindet sich ein Blatt einer karolingischen Handschrift von ca. 830, das im Einband eines Buches verwendet worden war und vermutlich aus der Herriedener Schreibschule stammt.

Ausschnitt aus einer karolingischen
Handschrift [Herrieden 1982]

Der reiche Besitz erregte natürlich die Begierde der Nachbarn, besonders des benachbarten Bistums Eichstätt. Der dritte Abt Herriedens, Luitpert, wurde 863 Erzbischof von Mainz und Erzkanzler des Reichs. Er tauschte 888 mit dem Bischof von Eichstätt Herrieden gegen das näher bei Mainz gelegene Kloster Ellwangen.

Herrieden kommt zu Eichstätt

Damit wurde das Kloster in ein Chorherrenstift umgewandelt, das bis zur Säkularisation 1804 bestand. Das Leben in den Klosteranlagen änderte sich grundlegend, anstelle der 50 bis 60 Mönche zogen Kanoniker ein. Kanoniker waren Mitglieder des bischöflichen Klerus, die gemeinsam lebten, aber von den Mönchsgelübden befreit waren, Privateigentum besitzen durften und schließlich sogar eigene Wohnungen besaßen. Durch ihre Bindung an den Bischof hielten sie sich häufig nicht mehr in Herrieden, sondern in Eichstätt auf. Ihre Aufgabe bestand nicht im zurückgezogenen Klosterleben, sondern eher in der Verwaltung des Bistums, der Arbeit in den Gemeinden und der Ausbildung von Nachwuchs in den Stiftsschulen.

Zu den bedeutenden Schülern der Herriedener Stiftsschule gehörte Jakob Fugger der Ältere, der hier von 1470 bis 1478 die Schule besuchte und eine geistliche Laufbahn einschlagen sollte, ehe er nach dem Tode seiner Brüder das väterliche Handelshaus in Augsburg übernahm und zu Weltgeltung führte.