Deocar - der dritte Stadtheilige Nürnbergs

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Ludwig der Bayer belagert Herrieden

Im Jahre 1316 befand sich der spätere Kaiser Ludwig der Bayer noch im Kampf mit seinem Konkurrenten Friedrich dem Schönen von Österreich um die Anerkennung als deutscher König. Der Bischof von Bamberg und die Herren von Hohenlohe standen auf der Gegenseite, der Bischof von Eichstätt machte seine Unterstützung von der Bereinigung von Gebietsstreitigkeiten mit den Hohenlohe abhängig. Im März 1316 belagerte Ludwig daher die Stadt Herrieden, die von Kraft von Hohenlohe gehalten wurde.

Mittelalterliche BallisteDoch die Belagerung gestaltete sich schwierig, und eine Entscheidung fiel erst, als aus Nürnberg die seinerzeit modernsten Wurfmaschinen herangeschafft wurden. Die von ihnen geschleuderten, mit "griechischem Feuer" gefüllten Tontöpfe entfachten in der Stadt einen Brand, der sie großteils zerstörte. Die Brandspuren lassen sich heute noch archäologisch nachweisen. Die Befestigungen wurden geschleift und zum Dank für die Unterstützung erhielt Nürnberg einen Großteil der Reliquien des Hl. Deocar.

Der Nürnberger Stadtheilige

Deocaraltar in der LorenzkircheDeocar als BeichtvaterZunächst wurden die Reliquien im alten, damals einschiffigen Chor der Lorenzkirche aufgestellt. 1406 wurde dem Heiligen dann eine eigene Kapelle geweiht und 1436 stifteten Andreas Volckamer und seine Frau den Deocaraltar, der zu den ältesten heute noch vorhandenen Altären Nürnbergs zählt.

Deocar als Beichtvater
Karls des Großen

Überführung der ReliquienDie Stiftung steht in einer Reihe bedeutsamer Ereignisse, die zu einer sichtbaren Aufwertung der Reichsstadt Nürnberg führten. Bereits 1361-1379 war bei St. Sebald der gewaltige, gotische Hallenchor errichtet worden, ohne die offizielle Heiligsprechung abzuwarten, die 1425 erfolgte. Kurz vorher, 1423, hatte Kaiser Sigismund die Reichskleinodien "für ewige Zeiten" nach Nürnberg bringen lassen. Dem wollte die Lorenzer Seite etwas Gleichwertiges entgegenstellen. Der Deocaraltar legte gleichsam den Grundstein zur Errichtung des Lorenzer Hallenchors (1439-1477), der maßgeblich aus Spenden der Bürger und den Erträgen der seit 1399 immer mehr aufblühenden Deocarwallfahrt finanziert wurde.

DeocarwunderIm Schrein des Altars erscheinen Christus und die 12 Apostel in zwei Reihen, unter Christus in der Mittelachse gleichsam als 13. Apostel den Hl. Deocar. Die Seitenflügel zeigen Darstellungen aus Deocars Leben, als Beichtvater Karls des Großen, seinen Tod, die Übertragung der Reliquien nach Nürnberg und die Darstellung einer Blindenheilung. Auffällig hier sind die wie an langen Schnüren herabhängenden Augäpfel, offenbar eine Beziehung zu Votivgaben, die am Deocaraltar aufgehängt waren [Eichhorn in: Herrieden 1982].

Deocarwunder

Nicht mehr erhalten ist der zugehörige silberne Reliquienschrein, der ähnlich dem des Hl. Sebald gearbeitet war und der nach dem Übergang Nürnbergs an Bayern versteigert und eingeschmolzen wurde.
Alljährlich am Mittwoch nach Pfingsten wurde zu Ehren des Hl. Deocar eine feierliche Prozession der Nürnberger Bürger abgehalten, bei der die jüngsten Ratsherren den Schrein trugen; dieser Brauch wurde erst mit der Reformation eingestellt und der Heilige geriet in Vergessenheit. 1845 wurden die Reliquien nach Eichstätt in den Dom überführt und befinden sich dort in der Sakramentskapelle am südlichen Querhaus.