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Der Anfang der Geschichte
Der Burgstall von Lampersdorf
Die frühe Burg
Die Festung
Die Herren von Stein
Die Ministerialen
Die Hedwigsbecher
Der Ort Hilpoltstein
Baiern, Nürnberg ...
... und Pfalz-Neuburg
Literatur
Wanderbeschreibung
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Die Bedeutung der Hilpoltsteiner Burg

Bemerkenswert ist, daß die größte Ausdehnung der Burg und zugleich die meisten Bauphasen zwischen dem 11. und mittlerem 13. Jh. liegen. Lediglich die letzte Phase kann mit einer historisch überlieferten Persönlichkeit in Verbindung gebracht werden, nämlich Bauphase 5 mit dem Reichsbutigler Heinrich von Stein. Die Nachrichten über die Herren von Stein vor Heinrich sind unsicher bzw. lückenhaft, reichen aber keinesfalls vor das 12. Jh. zurück. Daß es sich bei den Besitzern der Burg nicht um unbedeutende, kleine Adlige handeln konnte, zeigt sich schon an der Größe der Anlage mit Hauptburg, zwei Vorburgen und einer zusätzlichen Burghut. Hier steht der Archäologe und Historiker vor dem Dilemma, im archäologischen Befund eine wichtige Burganlage vor sich zu haben, die weiter zurückgeht als bisher angenommen, die aber keinem bekannten Adelsgeschlecht sicher zugeordnet werden kann.

Stadtsiegel
Stadtsiegel von
Hilpoltstein

Die Burg von S
Die Burg von S

   Dies ist um so bedauerlicher, da zugleich im archäologischen Fundgut der Burg Fragmente zweier sogenannter "Hedwigsbecher" vorhanden sind, die anzeigen, daß die Besitzer der Burganlage zu einem kleinen elitären Kreis des Hochadels gehört haben müssen [Platz 1998].
   Interessant ist die nicht belegbare Annahme von Bosl [1941]: Burg Stein wäre von einem um 1200 ausgestorbenen Geschlecht von Edelfreien als Reichslehen heimgefallen und dann von dem Reichsdienstmannengeschlecht der Heinriche verwaltet worden, das anfänglich wenig Bedeutung besaß. Es sei nämlich auffällig, daß keine der bedeutsamen Reichsministerialenfamilien der Umgebung das Reichsbutigleramt zu Nürnberg innehatte, ja in Zeugenreihen steht dieser Reichsamtmann wiederholt hinter den bekannten bedeutenden Dienstmannengeschlechtern des Umkreises. Diesen gegenüber sei der Butigler nur ein Beamter des Reichs gewesen, sein Amt bestenfalls ein Trittbrett zu künftiger Entwicklung.


Reichsministeriale

Was ist ein Ministeriale? Das Wort "ministerialis" ist schon seit der späten Karolingerzeit belegbar, noch im Sinne von "ein Dienender", doch hoben sich diese in den Urkunden bereits deutlich als "servientes" und "servitores" von den "servi", der Masse der Leibeigenen auf Königsgut, ab. Die Ministerialität entstand also vor allem durch Erhebung von Unfreien. Ab der Mitte des 11. Jh. wird jedoch ein Bedeutungswandel erkennbar: das Wort "ministerialis" entwickelt sich zum Synonym für "miles", Ritter. Der Begriff kennzeichnet eine bestimmte Vorrangstellung, einen Dienst als Reiterkrieger und eine ausreichende Ausstattung mit Besitz, als Eigen oder Lehen, um die damit verbundenen Verpflichtungen erfüllen zu können [Biller 1993 und dort zitierte Literatur].

   So bot sich denn in der späten Salierzeit diese bereits zu Besitz und Ansehen durch den Dienst am Königshof und in der Verwaltung emporgestiegene Schicht zur Lösung dringender Aufgaben an. Ein Problem, das im deutschen Mittelalter im Gegensatz zu Frankreich und England nicht gelöst wurde, war die "Verstaatlichung" des Reichs, d.h. die Umwandlung der rein persönlichen Bindungen der Großen in ein Reichsterritorium mit Reichsuntertanen, des Personenverbandsstaats in einen Flächenstaat. Die Wege gingen über die Staatskirche der ottonischen Zeit und später über die Hausmachtpolitik, gelungen ist diese Umwandlung unter ganz anderen Bedingungen nur in Friedrichs II. Beamtenstaat in Süditalien. Der Staufer Friedrich I. Barbarossa legitimierte nun den faktisch schon längst geschehenen Aufstieg dieses "Stands von ehrgeizigen und besitzhungrigen, aber tatkräftigen Königs- und Hausgutsdienstmannen, die sich, wie es zunächst schien, als Beamte verwenden ließen, zu jeder Unternehmung ohne Bedingung bereit, weil ihre Interessen mit denen des Königs gleichliefen, absetzbar und mit Dienstlehen entlohnt, die zunächst von echtem Lehen geschieden waren" [nach Bosl 1941].

   Doch blieb dies nicht von langer Dauer: nach Barbarossas und seines Sohnes Tod und der Krise des Königtums durch das Fehlen eines Thronerben folgte im deutschen Raum unter Friedrich II. keine Restaurierung der Zentralgewalt, sondern der beginnende Ausverkauf königlicher Rechte an Kirche und Hochadel. Der Begriff der Mnisterialen verschwandet aus den Urkunden, sie waren unterdessen zu einer eigenen Schicht des niederen Adels emporgewachsen, soweit sie nicht zum Reichsfürstenstand emporsteigen konnten, wie etwa die Pappenheim.

           
 
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