Einführung
Der Anfang der Geschichte
Die Fronten werden abgesteckt
Zerstörung und Wiederaufbau
Die Festung
Die lange Streit und Paul Pfinzing
Die Ausklang
Die Grablege der Gegner
Plan der Burg um 1551
Die Pfinzingkarte
Der Plan der Zollerngruft
Literatur
Wanderbeschreibung
Wanderkarte
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Markgraf Georg Friedrich
   Markgraf Georg Friedrich
   [Schuhmann 1989]
 

Prozesse und Versuche zu gütlicher Einigung

Lichtenau stellte einen ständigen Zankapfel zwischen den Markgrafen und der Stadt Nürnberg dar, um den militärisch, seit dem 16. Jh. aber vor allem mit ständigen Nadelstichen und Reibereien und mit gerichtlichen Mitteln gekämpft wurde. Seit dem Jahre 1526 führten die Markgrafen einen Prozeß vor dem Reichskammergericht gegen Nürnberg, der bis zum Ende des Alten Reichs 1806 keinen endgültigen Abschluß fand. Letztlich verlangten die Markgrafen die "Fraisch", d. h. die hohe oder Blutgerichtsbarkeit und damit die landesherrliche Oberhoheit über das gesamte Landgebiet der Stadt Nürnberg bis vor ihre Tore sowie das Hochgericht zu Lichtenau. Erschwerend kamen die zersplitterten rechtlichen Verhältnisse hinzu; so stand dem Markgrafen der hohe Wildbann zu, Nürnberg aber - wenn auch ebenfalls gerichtlich bestritten - die niedere Jagd, eine Situation, die ebenfalls ständig die Möglichkeit zu Übergriffen bot.
   Die daraus entstehenden Rechtsbrüche dienten gleichzeitig wieder als Druckmittel für die parallel laufenden Verhandlungen um eine gütliche Einigung.
   Zum einen waren die Markgrafen und Nürnberg nach Einführung der Reformation natürliche Verbündete, zum anderen benötigten die Markgrafen Geld. Seit 1526 wurde über den Austausch von Gebieten, etwa Lichtenau gegen Schönberg, Burgthann und Osternohe, verhandelt, doch scheiterten die Verhandlungen stets an den hohen Forderungen der Ansbacher nach finanziellem Ausgleich. Die Auseinandersetzungen gingen weiter. Georg Friedrich, der Nachfolger von Albrecht Alcibiades, ließ z. B. 1557 vier Fraischsäulen ausgraben, der Rat klagte, Georg Friedrich legte Berufung beim Reichskammergericht ein, dieses entschied 1593, daß die Säulen auf Kosten des Markgrafen wieder aufzustellen seien. Doch noch dreimal, 1596, 1598 und 1601, mußte er vom Gericht gemahnt werden, bis die Säulen nach 44 Jahren wieder an den alten Plätzen standen [Schwemmer 1980].


Der Kartograph Paul Pfinzing

Paul Pfinzing
   Paul Pfinzing

Für diese Prozesse fertigte der Nürnberger Ratsherr und Kartograph Paul Pfinzing im Jahre 1592 eine Karte des Hochgerichts Lichtenau an, um den Verlauf der Grenze zu dokumentieren. Ein kolorierter Kupferstich dieser Karte und die Beschreibung des Grenzverlaufs sind uns im Pfinzingatlas erhalten. Aus der Beschreibung läßt sich erkennen, daß oft noch natürliche Merkmale, z. B. Bäume, als Kennzeichnung der Grenze dienten.
   Anhand der Ziffern 1 - 32, mit denen die Grenzmarken bezeichnet sind, kann die Grenze noch verfolgt werden. An einem Grenzstein als Nachfolger einer dieser Säulen (hier mit Nr. 15 bezeichnet, oben links von der Mitte) kommen wir bei unserer heutigen Wanderung vorbei.
  Karte des Pflegamts Lichtenau
   Karte des Hochgerichts Lichtenau von
   Paul Pfinzing [Schnelbögl 1955]
   für eine große Karte (185 kB !) hier klicken
 
   1594 ließ der Markgraf dann noch rund um Lichtenau 20 sog. "Jagdsäulen" setzen, um anzuzeigen, bis wohin er Nürnberg die Ausübung der kleinen Jagd zugestand. Auch diese von Nürnberg angefochtenen Markierungen hat Pfinzing als "messingne Zünglein" in die Karte eingetragen.
   Die Karte und Beschreibung hat Schnelbögl [Schnelbögl 1955] in einer sehr lesenswerten Arbeit veröffentlicht.
   Auch nach dem Dreißigjährigen Krieg kam keine Einigung über einen Tausch zustande, jetzt wohl auch, weil der Argwohn der Nürnberger inzwischen zu fest eingewurzelt war, immerhin kam es nicht mehr zu militärischen Auseinandersetzungen. Der günstigste Zeitpunkt für ein Übereinkommen wäre wohl 1528 gewesen, damals unter dem Druck der Reformation und der Geldnot der Markgrafen, doch dieser Zeitpunkt war versäumt worden.
           
 
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