Einführung
Der Anfang der Geschichte
Die Fronten werden abgesteckt
Zerstörung und Wiederaufbau
Die Festung
Die lange Streit und Paul Pfinzing
Die Ausklang
Die Grablege der Gegner
Plan der Burg um 1551
Die Pfinzingkarte
Der Plan der Zollerngruft
Literatur
Wanderbeschreibung
Wanderkarte
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Die Festung

Ansicht aus der Ferne
   Ansicht der Festung Lichtenau von Norden
Schon der Anblick aus der Ferne zeigt, wie der Einsatz der Artillerie die Militärarchitektur seit der Zeit des Burgenbaus verändert hat. Gleichsam hingeduckt liegt die Festung im Tal der Rezat, bietet keine große Angriffsfläche, zeigt keine hohen Mauern und Türme. Man vergleiche damit den Anblick von Burg Abenberg bei unserer letzten Wanderung!
   Ein wunder Punkt der frühen runden Artilleriestellungen (Rondelle) waren die toten Winkel vor den Türmen, die nicht durch Feuer aus benachbarten Stellungen gedeckt werden konnten.
   Zuerst im Italien des 15. Jh. wurden die vorspringenden Mauern der Artilleriestellungen auf diesen Linien errichtet; damit war die eckige Bastion oder Bollwerk geboren. Der Bau moderner Festungen erfolgte nun auf dem Grundriß regelmäßiger Vielecke, durch die Längen und Winkel der Seiten genau vorgeschrieben waren; diese Bauform wurde als "italienische Manier" bezeichnet.
   Die Artillerie zur Verteidigung wurde zunächst auf den Bastionen und Kurtinen (den Wällen der Festung) aufgestellt. Diese Bastionen waren wie in Lichtenau relativ klein, mit einer stumpfen Spitze und kurzen Flanken. Das Hauptgewicht bei der italienischen Manier lag auf dem Flankenfeuer, d.h. der gegenseitigen Deckung der Bastionen, der Kurtine und des Grabens. Daher die tief auf Grabenniveau liegenden Öffnungen für Geschütze in den Flanken, die man gelegentlich auch ein Stück einzog, um hier gedeckt Batterien zur Bestreichung der Kurtine aufstellen zu können. Grundriß der Festung Lichtenau
   Grundriß (Erdgeschoß) der Festung
   Lichtenau, der innere Wassergraben (blau)
   ist heute aufgeschüttet [nach Neumann
   1988]
Der Weg auf dem Wall
Wallumgang und einer der
Türme, links ein 'Kavalier'  
   Charakteristisch sind auch die Buckelquader der Mauer, die gerundete obere Brustwehr (bei der geringen Rasanz der damaligen Artillerie kamen die Kugeln einigermaßen horizontal an!) und die Schießscharten darin (der Schuß erfolgte damals "über Bank", d. h. über oder durch die Schießscharten der Brustwehr).
   Umgeben war die Festung von einem Graben, der mit Wasser gefüllt werden konnte und der es erschwerte, Stollen zur Sprengung unter die Mauer zu graben.
   Jenseits des Grabens lag unter Feuerschutz der sog. "gedeckte Weg", von dem aus die wichtige Verteidigung im Vorfeld durch die Infanterie erfolgte.
   Der mächtige, innen an die Mauer angeschüttete Wall sorgte für die Widerstandskraft gegen Beschuß, in ihm befanden sich außerdem gut geschützt Lagerräume und Unterkünfte. Diese Bauten ragten nur wenig über die Silhouette von Mauer und Wall hervor. Auf der Krone des Walls war ein breiter Umgang, der eine schnelle Bewegung von Material und Mannschaft möglich machte. Blick entlang der Mauer
   Blick entlang der Mauer
Grundbegriffe der Festungsarchitektur
   Erklärung von Grundbegriffen der Festungsarchitektur
   [nach Neumann 1988]
  Um das Vorfeld (Glacis) besser beschießen zu können, waren weitere Batterien in der Mitte der Kurtinen erhöht auf Türmen, sog. "Kavalieren" aufgestellt (entgegen der Zeichnung auf der vorherigen Seite wurde auch der nördliche Kavalier viereckig ausgeführt, der südliche Kavalier wurde nicht gebaut). Um freies Schußfeld auf dem Glacis zu haben, wurde z.B. 1688 die Kirche abgebrochen.
   Einen kritischen Punkt stellte stets der Zugang dar. Dieser mündete zunächst in einen Innenhof, in dem der eingedrungene Feind von allen Seiten und oben bekämpft werden konnte. Vom Hof geht nach links im Winkel der Zugang zur inneren Festung ab, die Rampe nach oben zum Wall kann ebenfalls gut kontrolliert werden. In diesem Hof kommt nun auch das Bedürfnis nach Repräsentation zur Geltung: am inneren Tor sind exemplarisch Motive frühbarocker Festungsarchitektur zusammengefaßt: Buckelquader, dorische Pilaster, über die die Rustika hinwegzieht, Rüstungen in den Bildfeldern des Gebälks, die perspektivisch auf das Eingangstor hin angelegte Umrahmung des Tors. Eingangshof
Eingangshof, inneres Tor zur Festung
und Aufgang zum oberen Wall
Wendeltreppe im Treppentürmchen
Schlußstein der
Wendeltreppe im
Treppentürmchen
[Schwemmer 1980]
   Das Bedürfnis nach Repräsentation zeigt sich auch im Innenhof in der aufwendigen Quaderung und der Bauornamentik der Kasematten, aber auch im Schloß mit zwei Geschossen. In einem der Treppentürmchen in den Ecken ist eine aufwendige Wendeltreppe mit zwei Läufen und hängendem Schlußstein eingebaut. Innenhof und Kavalier
Innenhof der Festung und 'Kavalier'
   Der weite Innenhof wird von den Fassaden der Kasematten und den Kavalieren beherrscht; ursprünglich war er nochmals von einem Wassergraben umzogen, der heute verfüllt und nur noch durch den breiten Grasstreifen markiert ist.
   Symbolträchtig sind schließlich die beiden Rundtürme, die das Schloß überragen und in ihrer Form den Sinwellturm auf der Nürnberger Burg wiederholen; militärisch wurde ihre Höhe bereits von Zeitgenossen bemängelt.

Eine sehr interessante Einführung in die Festungsarchitektur der Renaissance und des Frühbarock, leider nur in Englisch, ist das Buch von Christopher Duffy, Siege Warfare.

           
 
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