Einführung
Der Anfang der Geschichte
Die Fronten werden abgesteckt
Zerstörung und Wiederaufbau
Die Festung
Die lange Streit und Paul Pfinzing
Die Ausklang
Die Grablege der Gegner
Plan der Burg um 1551
Die Pfinzingkarte
Der Plan der Zollerngruft
Literatur
Wanderbeschreibung
Wanderkarte
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Die Fronten werden abgesteckt

Der Aufschwung wurde jäh unterbrochen durch den 1449 ausgebrochenen Krieg zwischen dem Markgrafen Albrecht Achilles und der Reichsstadt Nürnberg. Albrecht versuchte, seinen Ansprüchen auf ein "Herzogtum Franken" Geltung zu verschaffen und nahm die Anlage eines Bergwerks bei Laibstadt durch Konrad von Heideck als Anlaß zum Krieg. Der Heidecker wiederum stand im Dienst der Reichsstadt Nürnberg und wurde von ihr unterstützt.

Markgraf Albrecht Achilles
Markgraf Albrecht
Achilles, Bild vom
Schwanenritteraltar
[Schubert 1971]

   Dorn im Auge war dem Markgrafen aber auch die Burg Lichtenau, schon wegen ihrer Nähe zu seiner Residenz Ansbach. Der Rat der Stadt unterstützte die Rummel mit Geld, Waffen, Munition und schließlich auch mit Mannschaften, konnte aber nicht verhindern, daß Lichtenau sich am 13. Aug. 1449 dem Markgrafen ergeben mußte. Der Krieg zog sich mit Niederbrennen von Dörfern und kleineren Gefechten hin, und erst 1553 kam es zum Frieden, in dem Albrecht Achilles gezwungen war, Lichtenau wieder zu räumen.
   Die Rummel versuchten, den Ort wieder aufzubauen, übernahmen sich dabei offenbar finanziell, auch war anscheinend der Nürnberger Rat zu der Überzeugung gekommen, daß die Tarnung nicht vor Übergriffen des Markgrafen schützte, sondern eher eine Behinderung war. Jedenfalls waren Markt und Festung Lichtenau seit 1482 endgültig in den Händen des Rates [Schwemmer 1980].
   Auch wenn kein neuer Krieg ausbrach, so gingen doch die Händel mit dem Markgrafen weiter. Dieser beanspruchte letzten Endes die Landeshoheit im Pflegamt Lichtenau, die wiederum der Rat demonstrativ behauptete. So beschloß er 1498, die Hinrichtung eines gefangenen Übeltäters in Lichtenau stattfinden zu lassen, und bot dazu die Burgmannschaft und die Bauern in kriegsmäßiger Ausrüstung auf. Der Hügel nördlich des Orts, wo weithin sichtbar der Galgen errichtet wurde, trägt noch heute den Namen Galgenberg. Auch wurde eine "Ordnung" beschlossen, die bis in kleinste Einzelheiten die Besatzung, Versorgung und Übermittlung von Nachrichten regelte.
   Über die früheste Gestalt der Burg ist uns nichts bekannt. Erst aus dem späten 15. und frühen 16. Jh. erfahren wir Genaueres, als die Stadt Nürnberg die Feste selbst übernommen hatte und sie nach den Zerstörungen im Ersten Markgrafenkrieg verstärkte. Die nahezu quadratische Anlage war insgesamt von einem breiten Wassergraben umgeben, darauf folgte ein mächtiger Wall mit einer Steinmauer zum Graben. Dieser hatte an den Ecken und Langseiten insgesamt acht halbrunde Basteien. Vom Markt her führte durch ein Tor eine Brücke über den Graben, die durch zwei halbrunde Türme flankiert und geschützt war. Der Weg führte in gebrochener Linie weiter durch den Wall zu einer weiteren Brücke über den inneren Wassergraben, der an der Außenseite (zum Wall hin) durch eine mit Bogen verstärkte Mauer befestigt war.

Plan der Festung von 1551
   Plan der Festung Lichtenau von 1551 (hier klicken für einen
   großen Plan (107 kB) [Schwemmer 1980]

    Auf der quadratischen, von einer weiteren Mauer umgebenen, "Schütt" genannten Insel standen die Schloßgebäude. Durch ein Tor mit Fachwerkobergeschoß kam man in die auf der Nordseite gelegene Vorburg mit zweigeschossigen Gebäuden, durch eine Mauer getrennt von der südlichen Hauptburg mit einem weiteren zweigeschossigen, sonst eingeschossigen Gebäuden; am westlichen Ende stand ein Turm mit steinernem Unter- und Fachwerkobergeschoß.
   Durch diesen mit Jahreszahlen versehenen Plan des Jahres 1551 wissen wir, daß seit dem Jahr 1448 ständig Verstärkungen vorgenommen wurden. So wurden an den Ecken des inneren Walls viereckige Bastionen angebaut, offensichtlich war geplant, auch an den Ecken des äußeren Walls neue, starke Bastionen zu errichten. Eine davon ist auf dem Plan links unten bereits zu erkennen, doch konnten diese Umbauten bis zum nächsten Krieg 1552 nicht mehr ausgeführt werden [Schwemmer 1980].
   In dieser Form stellt die Feste einen Bau des Übergangs von der Burg zur Festung dar, wie er für das 15. und 16. Jh. kennzeichnend ist. Die Einsatz von Artillerie erforderte nun andere Befestigungen als bei Burgen. Die polygonale Form blieb zwar erhalten, doch wurde nun vor und hinter der Mauer Erde aufgeschüttet, um die Standfestigkeit gegen den Anprall der Geschosse zu verbessern, die Mauer wurde zum Wall. Auch die Türme wandelten sich; ihre Höhe wurde verringert, ihr Durchmesser vergrößert, so daß aus ihnen sog. Rondelle zur Aufstellung von Artillerie entstanden. Entwürfe zu dieser Art der Befestigung hatte z. B. Dürer 1527 in seinem Buch "Etliche Underricht zu befestigung der Stett, Schloß und flecken" entwickelt [Meyer 1979].
           
 
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